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Auzüge aus der OZ von Michael Meyer
Veröffentlicht am 13.06.2005 unter dem Titel: "Straße der Tränen"

Trauerfeier an der Unfallstelle der B96 in Ralswiek

Ein roter Luftballon in Herzform steigt auf, schwebt über die Bäume an der B96 bei Ralswiek und verschwindet. 4.35 Uhr. 2500 Menschen stehen auf dem Asphalt. Dort, wo Samstag vor einer Woche vier Jugendliche starben. Langsam geht die Sonne auf und die Vögel, die im Morgengrauen mit ihrem Gezwitscher den neuen Tag begrüßen, werden ruhig. Immer leiser. Bis fast nur noch das Schluchzen der Menschen zu hören ist. Das Schluchzen. Das Weinen und Wimmern. Alle paar Minuten lässt eine Schülerin des Ostsee-Gymnasiums Sassnitz ein Herz los. Als wären sie unter der Last des Schmerzes zu schwer in den Fingern. So schweben rote Herzen in den Himmel. Um 4.50 Uhr, dem Zeitpunkt, als der BMW in den Renault Clio von Mara aus Sassnitz knallte, steigen hunderte Ballons auf.
Die Menschen stehen schweigend in einer Gedenkminute, die zur Gedenkstunde wird. Die leise Trauer ist auch stiller Protest. Es ist die größte Demonstration nach einem Unfall, die es in Deutschland gegeben hat. Für 30 Minuten wollte die Polizei die Straße zwischen Ralswiek und Lietzow sperren. Es werden anderthalb Stunden. Erst um kurz nach sechs wird die Fahrbahn

wieder frei gegeben. Die Menschen brauchen Zeit für ihr Leid. Pastor Andreas Schorlemmer aus Greifswald spricht Worte des Trostes. „Wie soll man was sagen? Was soll man sagen, wenn man durch die Reihe dieser leidenden Menschen geht?“

Wieder ist Stille. Nur einmal singen Bianca Wiebe (25) und Michael Turban (40) von der Greifswalder Jacobigemeinde: „Du reichst mir die Hand. Ich halte mich fest. An deinem Wort. Du lässt mich niemals allein.“ Doch allein fühlt sich die Mutter von Mara. Sie hält sich an ihrem Mann fest. Und der hält sich an einem Freund fest. Der Dichter Rilke schrieb einmal: „Ich legte mein bisschen Kraft zusammen wie Geld, und indem ich auf seine Hände sah, bat ich ihn, er möchte nehmen, wenn er es brauchte. Die Menschen fassen sich an den Händen. Nimmt man die Hand dieser verwaisten Mutter, spürt man, dass man zu wenig zu geben hat. Von der Kraft. Zumindest reicht es bei ihr für einen Satz der Vernunft. Nicht des Hasses: „Nur eines“, sagt sie. „Dass einige begreifen, was passiert ist. Dass dieser Schrei nicht nur auf Rügen gehört wird, sondern in ganz Deutschland. Damit meine Mara nicht ganz umsonst gestorben ist.““

Auf der Landstraße schweigen die Menschen. Sie weinen, beten, legen Briefe, Gedichte, Plüschhasen und Teddys, Kerzen und Fotos der Toten nieder. Johanniter mit Tränen in den Augen, Feuerwehrmänner mit Rosen in den Fäusten, Polizisten mit Wut in der Stimme. Ein Rettungsassistent hat sich den Aufnäher vom Ärmel gemacht, unterschrieben und vor das Kreuz gelegt. Weil er nicht mehr retten konnte. Das Meer aus Gerbera, Rosen, Lilien, Sonnenblumen ist länger als ein Clio. Mitten drin stehen ein Leitpfahl und ein schlichtes Holzkreuz. Mit den Namen: Virginie, Mara, Katharina, Toni. Langsam gehen die Menschen zurück. Zu ihren Autos. Es ist längst hell.