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Gedanken, Trauer und Gefühle
Silke Kolbe, 40, mit Ehemann Dirk, 40:

Unsere Virginie liebte Sonnenblumen, sie war selber ein ganz fröhliches Sonnenkind. Jeden Tag gehe ich zum Friedhof und rede mit ihr. Das muß sein. Jedesmal verspreche ich ihr, daß ich für Gerechtigkeit sorgen werde, daß der Mörder bestraft wird. Er hat nur drei Jahre und drei Monate bekommen. Trotzdem ist er in Revision gegangen und immer noch ein freier Mann. Letzte Woche bin ich ihm auf der Straße begegnet!
Virginie fehlt mir überall. Wenn ich morgens aufwache, ist sie nicht da... Ich kann sie nicht mehr wecken, kann sie nicht mehr zum Zug fahren. Du hast dein Kind in dir getragen, du hast es geboren... Jetzt » kann ich nachts nicht mehr einschlafen. Es ist, als wenn ein Stück von meinem Herzen gestorben sei. Wenn es mir ganz schlecht geht, gehe ich in Virginies Zimmer und denke an sie. Es gibt Momente, da könnte ich nur schreien! Ich weiß nicht, ob das jemals vergeht. Aber es hilft, daß ich meine beiden anderen Kinder noch habe.

Kerstin Gründel, 45, mit Tochter Randi, 21:

Meine Mara war ein so lebenslustiges Mädchen. Ihr Lebensmotto war: Lebe deine Träume und träume nicht dein Leben. Wie ihre große Schwester Randi wollte auch sie Kranken- schwester werden.

Das Auto, in dem die vier verunglückt sind, war Maras Geschenk zum 18. Geburtstag... Als ich mich von meinem toten Kind verabschiedet habe, habe ich immer nur gesagt: Ich muß sie nach Hause holen, sie ist doch so kalt. Ich muß sie ins Bett legen, damit sie wieder warm wird...
Ich spreche ganz viel über Mara, ich weine auch - das hilft mir. Auch meiner Großen ging es lange sehr schlecht. Sie wollte für mich stark sein, hat ihren Schmerz nicht rausgelassen und fühlte sich irgendwie schuldig. Und plötzlich konnte sie nicht mehr reden. Erst habe ich sie mit ihrem Freund in den Urlaub geschickt, dann zur Psychologin. Jetzt redet und schreibt sie viel - ihre Stimme war allmählich wieder zurückgekehrt.


Annette Rademacher 44:

Seit sieben Wochen habe ich wieder massive Schlafprobleme, habe furchtbare Alpträume. Toni war unser einziges Kind - das hier war sein Schnuller. Ich weiß nicht, ob es für uns schwerer als für die anderen Eltern ist, die noch ein Kind haben. Wir leiden alle sehr. Aber es stimmt: Mein Mann und ich haben im Gegensatz zu den anderen keine Zukunft als Vater und Mutter mehr - nie eine Schwiegertochter, nie Enkel...
Seit Tonis Tod bin ich am liebsten zu Hause, da fühle ich mich ihm ganz nah. Da ist sein Kinderzimmer, seine T-Shirts, die noch nach ihm riechen, das dritte Platzdeckchen in der Küche. Ich brauche nicht zu seinem Grab zu gehen, denn mein Kind ist in meinem Herzen. Ganz anders mein Mann: Er mußte immer raus, bloß weg! Er hat in sieben Wochen 13 Kilo abgenommen, bis er zusammenbrach und in die Klinik mußte. Wir haben psychische Hilfe gesucht, damit wir zurechtkommen!


Kerstin Fritz, 43:

Seit fünf Jahren lebten meine Cathi und ich allein zusammen, haben jede freie Minute zusammen verbracht.

Als die Polizei mir sagte, daß meine Tochter tot ist, habe ich nur geschrien und geweint - der Notarzt mußte kommen. In der ersten Zeit danach haben sich alle Sorgen gemacht, daß ich mir was antue. Daß ich da hingehe, wo meine Cathi ist. Ich habe mein Kind auf offener See vor Rügen bestattet, genau an der Stelle, wo auch die Urne ihres verstorbenen Papas runtergelassen wurde.
Weil ich Hartz IV-Empfängerin bin, stand mir nach Cathis Tod keine 67m² Wohnung mehr zu. Am 19. September mußte ich in eine kleinere Wohnung umziehen. Es war schrecklich, als ich Cathis Zimmer aufgelöst habe. Jetzt habe ich noch nicht einmal einen Ort, wo ihre Möbel stehen, wo ihre Sachen Platz haben. Es war, als wenn mein Kind noch ein zweites Mal stirbt !


die aktuelle nr.6 vom 4. Februar 2006